Mark Scheibe
Artist-in-Residence

„Guten Tag, ich bin Mark Scheibe, Komponist, Songwriter, Musikfilmemacher und romantischer Sänger am Klavier. Andere sagen, ich sei ein Flaneur, Dandy oder Träumer. Ich wohne schließlich im Hotel. Nach jeder 7. Übernachtung schreibe ich hier – über West-Berlin, Charlottenburg, das Leben im schönsten Boutiquehotel in der Nähe vom Bahnhof Zoo, über Begegnungen mit Gästen und was mir in meinem Künstlerleben als ‚Artist in Residence‘ in meiner Suite und beim Frühstück widerfährt.“

Foto von Martin Peterdamm
Foto von Martin Peterdamm
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Gastgeber Ingo Bethke

„Als ich noch fürs Fernsehen Dokumentarfilme drehte, waren die Begegnungen für mich das spannendste. Heute stelle ich meine Lust, Menschen aus aller Welt kennenzulernen, in den Dienst meines Hotels. Und weil ich finde, dass ein Haus, das die Kunst im Namen trägt, auch Künstler braucht, öffne ich die Tür für einen 'Artist in Residence': ich freue mich, mit Mark Scheibe einen aus der Zeit gefallenen Bonvivant im Haus zu haben, der mit seinen Songs, Orchesterwerken und Musikfilmen begeistert – und hier exklusiv sein Leben im Hotel in einer wöchentlichen Kolumne offenbart.“

ACT LIKE A STUMMFILMDIVA

Von Mark Scheibe | 19. September 2021

Als Dauergast im Hotel Art Nouveau gehen die unguten Selbstverständlichkeiten des gewöhnlichen Wohnens an mir vorbei: so muss ich zum Glück nicht mit der Telekom telefonieren. Einer bemitleidenswerten Freundin entgleisten die eleganten Züge, als ich sie beim Versuch begleitete, durch das würdelose Automatengewäsch in der sogenannten Hotline zu einem echten Menschen durchzudringen, der ihr das…

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Panik im Pyjama

Von Mark Scheibe | 12. September 2021

„Die Gleichgültigkeit wächst an mir hoch wie Efeu. Das ist auch gut so, denn nur gewöhnliche Leute ärgern sich.“ Diesen glänzenden Satz aus einem Interview mit Karl Lagerfeld hat der Journalist Sven Michaelsen hervorprovoziert. Das Fieseste und Berührendste aus Gesprächen mit Menschen, die in der „Gala“ zuhause sind und im Feuilleton leben, steht in seinem…

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Liebesbriefe wagen!

Von Mark Scheibe | 5. September 2021

Darf ich meine Bestlaune hinausposaunen? Heute hab ich die Taschen voller Glück. Der Kaffee schmeckt wie das pralle Leben und die Sonne knallt auf die weiße Tischdecke im Frühstücksraum des Hotel Art Nouveau. Gestern war die Fernsehaufzeichnung der Talkshow „Thadeusz und die Künstler“. Schon früh als Jugendlicher phantasierte ich, eine TV-Show musikalisch auszustatten. Die großen…

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Klima und Campari

Von Mark Scheibe | 29. August 2021

Der Rolling-Stones-Schlagzeuger Charlie Watts ist tot. Chefgockel Mick und Survivalexperte Keith konnten mich mit ihrem Rüpelsound nie vereinnahmen, denn ich empfinde symphonisch und trage gern Anzüge. Charlie Watts aber hat mich schon immer fasziniert. Ein Mann mit Haltung, ein Jazzer unter Wilden. Ich bin traurig. Das Treppenhaus im Hotel Art Nouveau riecht nach Geschichte: die…

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FREMDGEHEN IM JAZZCLUB

Von Mark Scheibe | 22. August 2021

Klingt Jazz für dich wie eine unnötige Fremdsprache, wie zum Beispiel Latein, nur mit außerirdischem Akzent? Wenn das Publikum bei einem Jazzkonzert nach einem Solo applaudiert, fragst du dich, was der Quatsch soll? Wird deine musikalische Geschmackswelt von U2, André Rieu oder Andrea Berg beherrscht, gilt für dich womöglich: Jazz = Strafe. Die Eingeweihten hören…

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WHISKY IM WALDORF⸗ASTORIA

Von Mark Scheibe | 15. August 2021

Wenn ich eine Weile keinen Alkohol trinke, sehe ich richtig gut aus. Das erscheint mir erstrebenswert. Zwar liebe ich den Rausch, aber ich möchte nicht aussehen wie ein aufgedunsener Playboy Spätlese und dabei noch nicht mal Millionär sein. Es ist also die reine Eitelkeit, die mich vor dem Sumpf der Sucht bewahrt, nicht etwa die…

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ERSTER KLASSE DURCH CHARLOTTENBURG

Von Mark Scheibe | 8. August 2021

Mein Unterbewusstsein ist ein Snob. Es hat kein Interesse an der Gesellschaft auf dem Bahnsteig des Berliner Hauptbahnhofs. An der wuselnden Menschenmenge, die sich um die ächzend öffnende ICE-Tür drängt. Ich würde der nervösen Schar gern mit philanthropischer Güte begegnen, aber mein Unterbewusstsein ist der Meinung, dass die Bahncard erster Klasse auch nach dem Aussteigen noch…

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SCHLÜSSEL ZUM GLÜCK

Von Mark Scheibe | 1. August 2021

Meine Fingerkuppe küsst das polierte Chrom des Klingelknopfs in der Leibnizstraße 59, die Tür summt eingangsbereit. Die abgelaufenen Ledersohlen meiner Lackschuhe schaffen gerade noch ein dezentes Hallen im Marmortreppenhaus, dann steige ich in den Drahtverschlag von 1907. Er birgt eine Liftkabine, die mehr an die Gondel eines Riesenrads erinnert als an einen Aufzug. Langsam knarrt…

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SUIZID UND EISKAFFEE:  AM WALTER-BENJAMIN-PLATZ

Von Mark Scheibe | 25. Juli 2021

Ich sitze bei 32 Grad  an einem Cafétisch auf sonnenbedampften Granitplatten und warte auf die Kameramänner Axel Decker und Ben Gothe, die gleich das Musikvideo zu meinem Lied „Annabella totale“ drehen. Ich fühle mich auch wegen des klimakonträren Smokings und der Lackschuhe hier wie in einem surrealen Film. Links und rechts ragen überhohe neoklassizistische Bauten…

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IST EIN HOTEL DIE …

Von Mark Scheibe | 18. Juli 2021

ZAPFSÄULE DES ZUHAUSEGEFÜHLS? Tankstellen – allerorten ähnlich. Ein enger Ritus verlangt das immer Gleiche: Parken, Deckel auf, rein mit dem Stutzen, die Säule zählt ratternd, sprotzend schießt der Treibstoff in den Tank. Wer mag, atmet den Fata-Morganaduft, bis das Zapfventil nach dem letzten Tropfen zum Finale klickt. Ab in den Shop, rechts die Wischblätter und…

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