Kolumne

WHISKY IM WALDORF⸗ASTORIA

Wenn ich eine Weile keinen Alkohol trinke, sehe ich richtig gut aus. Das erscheint mir erstrebenswert. Zwar liebe ich den Rausch, aber ich möchte nicht aussehen wie ein aufgedunsener Playboy Spätlese und dabei noch nicht mal Millionär sein. Es ist also die reine Eitelkeit, die mich vor dem Sumpf der Sucht bewahrt, nicht etwa die…

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ERSTER KLASSE DURCH CHARLOTTENBURG

Mein Unterbewusstsein ist ein Snob. Es hat kein Interesse an der Gesellschaft auf dem Bahnsteig des Berliner Hauptbahnhofs. An der wuselnden Menschenmenge, die sich um die ächzend öffnende ICE-Tür drängt. Ich würde der nervösen Schar gern mit philanthropischer Güte begegnen, aber mein Unterbewusstsein ist der Meinung, dass die Bahncard erster Klasse auch nach dem Aussteigen noch…

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SCHLÜSSEL ZUM GLÜCK

Meine Fingerkuppe küsst das polierte Chrom des Klingelknopfs in der Leibnizstraße 59, die Tür summt eingangsbereit. Die abgelaufenen Ledersohlen meiner Lackschuhe schaffen gerade noch ein dezentes Hallen im Marmortreppenhaus, dann steige ich in den Drahtverschlag von 1907. Er birgt eine Liftkabine, die mehr an die Gondel eines Riesenrads erinnert als an einen Aufzug. Langsam knarrt…

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SUIZID UND EISKAFFEE:  AM WALTER-BENJAMIN-PLATZ

Ich sitze bei 32 Grad  an einem Cafétisch auf sonnenbedampften Granitplatten und warte auf die Kameramänner Axel Decker und Ben Gothe, die gleich das Musikvideo zu meinem Lied „Annabella totale“ drehen. Ich fühle mich auch wegen des klimakonträren Smokings und der Lackschuhe hier wie in einem surrealen Film. Links und rechts ragen überhohe neoklassizistische Bauten…

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IST EIN HOTEL DIE …

ZAPFSÄULE DES ZUHAUSEGEFÜHLS? Tankstellen – allerorten ähnlich. Ein enger Ritus verlangt das immer Gleiche: Parken, Deckel auf, rein mit dem Stutzen, die Säule zählt ratternd, sprotzend schießt der Treibstoff in den Tank. Wer mag, atmet den Fata-Morganaduft, bis das Zapfventil nach dem letzten Tropfen zum Finale klickt. Ab in den Shop, rechts die Wischblätter und…

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BERLIN – WIEN IM SCHLAFWAGEN

Ich schaue aus dem Fenster des „Nightjet“ genannten Nachtzugs, der Charlottenburg mit Wien verbindet und bade im Schienenglück. Wegen des Luxus, während der Fahrt im Bett zu liegen und aus dem Fenster schauen zu können. Ich finde bemerkenswert, dass der Zug nach Wien ausgerechnet in Charlottenburg startet und nicht in Berlin-Gesundbrunnen oder am Ostbahnhof. Im…

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VOM HOTEL INS KONZERTHAUS

Sitze auf der Bank am Meyerinckplatz, mein Ringbuch auf dem Schoß und kritzel mir meine Gedanken zurecht: im Konzerthaus am Gendarmenmarkt spielt heute das Zafraan Ensemble, ich moderiere den Abend. Als das Konzerthaus 1917 noch „Berliner Schauspielhaus“ hieß, spielte Hubert von Meyerinck dort seine ersten großen Rollen. Von 1920 bis in sein Todesjahr 1971 trat…

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LEBEN IM HOTEL ART NOUVEAU

Eine Tasse frisch gemahlenen Kaffees im 4. Stock eines großzügigen Gründerzeithauses: ich genieße sie. Wirklich. Bewusst, mit allen Sinnen, ich lächle. Draußen zwitschert etwas, unter mir ruht ein Fischgrätenparkett, das bei jedem Sohlenkontakt Geschichten erzählen will, der stumme Stuck schaut von oben zu. Ich wohne im Hotel Art Nouveau, einem inhabergeführten Gasthaus mit etwa zwei…

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