Mark Scheibe
Artist-in-Residence

„Guten Tag, ich bin Mark Scheibe, Komponist, Songwriter, Musikfilmemacher und romantischer Sänger am Klavier. Andere sagen, ich sei ein Flaneur, Dandy oder Träumer. Ich wohne schließlich im Hotel. Nach jeder 7. Übernachtung schreibe ich hier – über West-Berlin, Charlottenburg, das Leben im schönsten Boutiquehotel in der Nähe vom Bahnhof Zoo, über Begegnungen mit Gästen und was mir in meinem Künstlerleben als ‚Artist in Residence‘ in meiner Suite und beim Frühstück widerfährt.“

Foto von Martin Peterdamm
Foto von Martin Peterdamm

Schimpfpflicht und Lockdownlaune

Von Mark Scheibe | 21. November 2021

Ich bin leicht übers Ohr zu hauen. Das weiß der Hütchenspieler, der mich am Alexanderplatz um einen grünen Schein erleichtert hat. Das sympathische Duo, das mir mal aus dem Lieferwagen zwei Paar wertloser Luxuslautsprecherboxen zum Schnäppchenpreis von 2000 Euro „verkauft“ hat. Ich hab den beiden Halunken noch eine Schallplatte von mir geschenkt, weil ich sie…

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Zu spät beim Frühstück

Von Mark Scheibe | 14. November 2021

Heute kam ich zu spät ans Frühstücksbuffet. Ich bin immer zu spät. Ich bin eben Künstler. Das Klischee will es so, und ich bin zu schwach, um mich dagegen aufzulehnen, schließlich ist das Künstlerleben eine verlängerte Kindheit. Ich komme zu spät zu Verabredungen, habe es auch mit über 50 noch nicht gelernt, pünktlich zu sein.…

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Ku’damm-Kollisionen & Novembernächte

Von Mark Scheibe | 7. November 2021

Ob es daran liegt, dass ich gerade einen Stummfilm vertone? Kürzlich krachte ein matter SUV auf das empfindliche Heck meines Carsharingautos. Bevor ich mich vom Schock der Kollision erholte, war der geheimnisvolle Unfallgegner nämlich ohne Worte verschwunden. Ich war zu arrogant, um mir das Nummernschild einzuprägen und saß fassungslos in der Leibnizstraße, die Limousine lädiert.…

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Neukölln ist anders als Charlottenburg!

Von Mark Scheibe | 31. Oktober 2021

Romantische Nacht in Neukölln: wohlklingend murmelt Billie Holiday vom Plattenspieler unter die Haut gehende Zärtlichkeiten, die Kerzen werfen ihr tänzelndes Licht durch die rotgefärbten Champagnerschalen. Die Wärme der Ofenheizung macht den Spätoktober tropisch. Man wird allerdings immer wieder abgelenkt: Autofahrer von sportlicher Gesinnung brettern mit 100 km/h übers Kopfsteinpflaster, halten mit beeindruckend klingendem Reifenabrieb in…

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Statussymbol Tageszeitung

Von Mark Scheibe | 24. Oktober 2021

Die Sonntagszeitung von der F.A.Z. gefällt mir! Früher behaupteten die Werbestrategen des Blatts mit der Fraktur im Titel, dass sich hinter einer Frankfurter Allgemeinen immer jemand besonders Schlaues verbirgt. Diese Unterstellung streichelt gekonnt mein Ego: als Nichtabiturient und Hochschulvermeider bin ich den offiziellen Beweis schuldig geblieben, irgendetwas zu können. Seit heute hält mich die F.A.Z.…

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Pianist in der Hotelbar / Perlen fürs Prestige

Von Mark Scheibe | 17. Oktober 2021

Ich gleite über lichtdurchflutete Gänge auf dem Weg zu meinem Arbeitsplatz. Die Absätze von aufregenden Damen, die in Grandezza baden, trommeln kleine Märsche auf den Marmor und laden meine Libido auf. Über mir ein Kronleuchter, der auch Marlene Dietrich gefallen hätte. Ich lasse meine Finger auf dem Flügel parlieren und nehme die Seelenschwingungen der geschmackvollen Menschen auf,…

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Der haptische Kick des Manufactumkatalogs

Von Mark Scheibe | 10. Oktober 2021

Richard Wagner hat Seide und Samt durch seine Hände gleiten lassen, weil er den haptischen Kick brauchte, um Musik zu komponieren, die einen umhaut. Als Komponist und Songwriter suche ich genau das! Ich ziehe also den schweren Samtvorhang der Jugendstilsuite im Hotel Art Nouveau durch meine Handfläche und schließe die Augen. Noch will sich kein…

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Heimweh und der Zauber der Achterbahn

Von Mark Scheibe | 3. Oktober 2021

Ein Grund fürs Leben im Hotel Art Nouveau: die glückliche Ruhe in Gegenwart von Menschen, die gerade etwas schönes erleben. Am Frühstückstisch neben mir sitzen vier erwachsene Frauen aus Süddeutschland, die mit einer magnetischen Hingabe Kaffee trinken und sich so gepflegt und leise über ihre Berlinpläne austauschen, dass ich sie zwar hören, aber nicht verstehen…

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Vokuhila, Dorian Gray und die Parteien

Von Mark Scheibe | 26. September 2021

In Charlottenburg musst du top aussehen. Im Bezirk, nach dem Hilde Knef Heimweh hatte, ist Glamour Pflicht. In Mitte kannst du unrasiert im Anorak mit einer Flasche Sternburg Pilsener in der Volksbühne rumlümmeln. In Turnschuhen, sogar mit Mitte Fünfzig. In die Deutsche Oper lassen sie dich so nicht rein, in Charlottenburg trägst du glänzende Lackschuhe…

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ACT LIKE A STUMMFILMDIVA

Von Mark Scheibe | 19. September 2021

Als Dauergast im Hotel Art Nouveau gehen die unguten Selbstverständlichkeiten des gewöhnlichen Wohnens an mir vorbei: so muss ich zum Glück nicht mit der Telekom telefonieren. Einer bemitleidenswerten Freundin entgleisten die eleganten Züge, als ich sie beim Versuch begleitete, durch das würdelose Automatengewäsch in der sogenannten Hotline zu einem echten Menschen durchzudringen, der ihr das…

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