Mark Scheibe
Artist-in-Residence

„Guten Tag, ich bin Mark Scheibe, Komponist, Songwriter, Musikfilmemacher und romantischer Sänger am Klavier. Andere sagen, ich sei ein Flaneur, Dandy oder Träumer. Ich wohne schließlich im Hotel. Nach jeder 7. Übernachtung schreibe ich hier – über West-Berlin, Charlottenburg, das Leben im schönsten Boutiquehotel in der Nähe vom Bahnhof Zoo, über Begegnungen mit Gästen und was mir in meinem Künstlerleben als ‚Artist in Residence‘ in meiner Suite und beim Frühstück widerfährt.“

Foto von Martin Peterdamm
Foto von Martin Peterdamm

Der Horror mit dem Glückskeks

Von Mark Scheibe | 3. Juli 2022

Auf der Nordseeinsel Spiekeroog grüßt man mit „Moin“. Hier lebt es, das Klischee des „Friesisch-Herben“, mit dem die Jever-Brauerei seit Ewigkeiten wirbt. Wortkarge Lebensmeister, die dir die Wahrheit ungeschnörkelt ins Gesicht rufen, während sie, von einer Orkanböe unbeeindruckt, eine Krabbe pulen.  Ich spaziere mit Annabella (Name v. d. Red. geändert) durchs Dorf, vor uns läuft…

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Denkerpose im offenen Hemd

Von Mark Scheibe | 25. Juni 2022

Morgen probt ein Orchester Filmmusik, die ich komponiert habe. Komponieren geht so: Man zieht sich an, als ginge man zu einem großen Fest, zum Beispiel dem Geburtstag der Queen. Dabei überwindet man die Angst, „overdressed“ zu sein. Man setzt sich nun bequem auf einen großzügigen Stuhl. Es schadet nicht, wenn dieser einem Thron ähnelt. Nun…

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Zufälliger Untergang

Von Mark Scheibe | 18. Juni 2022

Lachmöwen kreisen über meinem Kaffeetisch, die White Cliffs of Dover reflektieren ein magisches Licht auf den flaschengrünen Atlantik. Heute morgen briet ich in britischen 32 Grad Celsius, ein paar Stunden später biss mir ein eisiger Regenwind durch das zuvor nassgeschwitzte Smokinghemd. „Weather is a third to place and time“– dieser Satz des britischen Poeten Ian…

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Coaching-Tourette

Von Mark Scheibe | 12. Juni 2022

Auf meinen Prokrastinationswegen (Endspurt einer großen orchestralen Filmmusik, ich kann nicht loslassen, ich werde einfach nicht fertig) begegnet mir in der ARD die neue Serie „How to Dad“: ein Quartett mitteljunger Väter wartet im Café eines Tanzstudios auf die Vorschultöchter. Herrliches Rumgemacker unter vier Vätern mit unterschiedlicher Bewaffnung: der Startup-CEO demonstriert Wohlstand und mentale Überlegenheit.…

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Allein mit der Musik

Von Mark Scheibe | 5. Juni 2022

Vor genau einem Jahr habe ich mich für ein Leben im Hotel entschieden. Ich hab mich zuhause einfach nicht mehr zuhause gefühlt. Seitdem wohne ich in Berlin-Charlottenburg in einer Suite mit Badewanne und Klavier im Hotel Art Nouveau. Ich bin viel unterwegs, spiele hier und da Konzerte, darf manchmal im Fernsehen auftreten, unterhalte geschlossene Gesellschaften…

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S-Bahnfahren in Berlin

Von Mark Scheibe | 29. Mai 2022

Vor der viralen Wartezeit auf die Wiederkehr der sogenannten Normalität nutzte ich täglich die Berliner S- und U-Bahnen. Das halte ich heute kaum noch aus. Niemand grüßt, wenn man eintritt. Das war früher selten anders, aber die Coronamonate haben mich etwas needy gemacht, was das Wahrgenommenwerden angeht. Statt wenigstens einen kleinen Willkommensapplaus zu spendieren, starren…

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Pension der bebenden Betten

Von Mark Scheibe | 22. Mai 2022

Eigentlich wollte ich eine Kolumne über Faulheit schreiben. Ich liebte schon als Kind, gepflegt abzuhängen. Ich erinnere mich an einen sogenannten Buß- und Bettag im November, draußen war es dunkel, schulfrei dank Jesus. Ich war 7 oder 8 Jahre alt, hatte einen Haufen Asterixhefte und eine große Schüssel Erdnussflips. Meine Mama hat mir aus Bettdecken…

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Die Finsternis des Fremdgefühls

Von Mark Scheibe | 14. Mai 2022

Im Wiener Caffeehaus in Berlin-Grunewald. Neben mir sitzen zwei gebräunte Herren, etwa 60-jährig. Sie würden auf einer Trigema-Betriebsfeier mit Wolfgang Grupp nicht fremd wirken. Einem steht in dunkelblauer Stickung „Boss“ auf dem hellblauen Polohemd geschrieben. Das drückt nicht nur eine klare modische Entscheidungsfantasie aus, sondern ist vermutlich auch die textile Niederschrift des eigenen Statusempfindens.  Die…

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Über Niveau / mein erster Witz

Von Mark Scheibe | 8. Mai 2022

Vorgestern ist meine neue Platte erschienen. Ich sage lässig „Platte“, weil es sie auch in Gestalt einer LP gibt, die man schön ausklappen kann. Es gibt eine Innenhülle, auf der die Texte stehen, so wie früher. Die Entwicklung, Aufnahme und Produktion des Albums hat zwei Jahre gedauert und ein Vermögen gekostet. Zum Glück haben Freundinnen…

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Gebrandmakelt

Von Mark Scheibe | 1. Mai 2022

Die Esoteriker hatten recht: alles ist Energie, Energie ist alles. Schlechte Zeiten für Verschwender. Vor ein paar Jahren dichtete ich in einem Song: „Kluge Leute sagen, es sei die Qualität, nicht die Quantität, um die es wirklich geht. Was soll dann einer wie ich machen, der nun mal auf beides steht?“ – inzwischen besitze ich…

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