Mark Scheibe
Artist-in-Residence

„Guten Tag, ich bin Mark Scheibe, Komponist, Songwriter, Musikfilmemacher und romantischer Sänger am Klavier. Andere sagen, ich sei ein Flaneur, Dandy oder Träumer. Ich wohne schließlich im Hotel. Nach jeder 7. Übernachtung schreibe ich hier – über West-Berlin, Charlottenburg, das Leben im schönsten Boutiquehotel in der Nähe vom Bahnhof Zoo, über Begegnungen mit Gästen und was mir in meinem Künstlerleben als ‚Artist in Residence‘ in meiner Suite und beim Frühstück widerfährt.“

Foto von Martin Peterdamm
Foto von Martin Peterdamm

Über postdramatisches Theater und Ebay-Kleinanzeigen

Von Mark Scheibe | 16. Januar 2022

Eigentlich wollte ich eine Kolumne über den robusten Umgangston auf Ebay-Kleinanzeigen schreiben. Wenn man Langeweile hat, braucht man nur ein Inserat zu veröffentlichen. Einen populären Gegenstand für wenig Geld einstellen, z.B. einen Pax-Kleiderschrank von Ikea, ein altes Macbook, etc. Ich hatte vor einiger Zeit meinen Flügel inseriert, bevor ich ins Hotel gezogen bin. Zur Anschauung postete…

MEHR LESEN

Sternenklare Sache

Von Mark Scheibe | 9. Januar 2022

Vor ein paar Tagen war der Tag der Heiligen Drei Könige – laut Altem Testament waren die Herren Sterndeuter. Astrologen also. In der pandemischen Ruhe des Lebens im Hotel Art Nouveau verlässt mein Gedankenstrom die Pfade des Irdischen. Ich erinnere mich an eine Zeit, in der ich mit meinem Dasein als Musiker nicht so sicher…

MEHR LESEN

Lob der Unvernunft

Von Mark Scheibe | 2. Januar 2022

Die Unvernunft, das ist mein Element! Ratschlägen der Besserwissenden nicht zu folgen, ist für mich Ehrensache. Mit freiem Oberkörper im französischen Alpensommer die Bergsonne anzulächeln, kommt mir nur natürlich vor. Mich vorher mit einem aufdringlich riechenden Industrieprodukt einzureiben, will mir nicht in den Sinn. Am nächsten Tag glühe ich hummerfarben und winsele nach Creme. Jedes…

MEHR LESEN

Zwischen den Jahren

Von Mark Scheibe | 26. Dezember 2021

Zwischen den Jahren. Die beste Zeit der Welt. Das Niemandsland des Kalenders, die allgemeine Schonzeit. Keiner traut sich, anzurufen und zu nerven. Unvorstellbar, dass ein zu Freundlichkeit verpflichteter Lohnsklave aus dem Vodafone-Callcenter meine Nummer wählt, um mir Treuekundenschmu ins Ohr zu penetrieren. Die Consultants und Controller schweigen pietätvoll. Im restlichem Jahr verwandeln selbstbewusste BWLer die…

MEHR LESEN

Rotkäppchen Halbtrocken

Von Mark Scheibe | 19. Dezember 2021

Sonntagabend. Annabella (Name von der Red. geändert) hat mich zu einem Privatabendessen eingeladen. Am S-Bahnhof Neukölln torkelt mir eine Kleingruppe verkleideter Männer entgegen. Einer duscht unter seinem 5-Liter-Bierfass beim Versuch, daraus zu trinken. Ich weiche dem übelriechenden Mob aus, stolpere und mir fällt der Mitbring-Champagner aus der Hand. Er zerschellt auf geschichtsträchtigen Fliesen. Ich habe…

MEHR LESEN

Buddha und die Insekten

Von Mark Scheibe | 12. Dezember 2021

Im selbstgewählten Bremer Komponierkerker lebe ich seit fast vier Wochen im Exil, um einen großen Kompositionsauftrag fertigzustellen. Im Souterrain eines Altbaus mit Blick in den Garten. Ein Eichhörnchen springt durch die nackten Bäume und holt sich Nüsse, die ich vor die Tür lege. Manchmal kommt auch eine Krähe und schnappt sie sich. In der Musik…

MEHR LESEN

Die Eisenbahn, Realität und dreiste Lügen

Von Mark Scheibe | 5. Dezember 2021

Immer wieder fall ich auf die Bahn rein: in meiner Phantasie betrete ich nicht den schnöden ICE mit der defekten Klimaanlage, sondern mindestens den Orient-Express. In meinen Kindheitserinnerungen sind Bahnhöfe romantische Orte, an denen Reisende in Reisekleidung ihr Gepäck aufgeben, bevor sie zum Gleis schlendern.  Das gab es wirklich: man brachte seinen Koffer zu einem…

MEHR LESEN

Der Trip als Taufe

Von Mark Scheibe | 28. November 2021

Jetzt weiß ich, woran mich das Gemälde im Frühstücksraum des Hotel Art Nouveau erinnert! Als ich 25 Jahre alt war, nahm ich mit meinem Freund K. LSD – K. hatte das schon häufiger gemacht und versicherte mir seine verantwortungsvolle Rauschbegleitung. Was dann passierte, ist kaum zu beschreiben, es war, als spielten Raum und Zeit nur noch…

MEHR LESEN

Schimpfpflicht und Lockdownlaune

Von Mark Scheibe | 21. November 2021

Ich bin leicht übers Ohr zu hauen. Das weiß der Hütchenspieler, der mich am Alexanderplatz um einen grünen Schein erleichtert hat. Das sympathische Duo, das mir mal aus dem Lieferwagen zwei Paar wertloser Luxuslautsprecherboxen zum Schnäppchenpreis von 2000 Euro „verkauft“ hat. Ich hab den beiden Halunken noch eine Schallplatte von mir geschenkt, weil ich sie…

MEHR LESEN

Zu spät beim Frühstück

Von Mark Scheibe | 14. November 2021

Heute kam ich zu spät ans Frühstücksbuffet. Ich bin immer zu spät. Ich bin eben Künstler. Das Klischee will es so, und ich bin zu schwach, um mich dagegen aufzulehnen, schließlich ist das Künstlerleben eine verlängerte Kindheit. Ich komme zu spät zu Verabredungen, habe es auch mit über 50 noch nicht gelernt, pünktlich zu sein.…

MEHR LESEN